Mittwoch, 2. Januar 2013

Was darf ich mir denn zum Geburtstag wünschen?
- Erzähl.
Nein, ich mein wegen dem Preis.
- Ja, wie immer fünfzig.
Okay, dann das schonmal nicht.
- Wieso, was wolltest du denn haben? 
Ich zeige auf meinen Laptopbildschirm, eine Amazon-Seite ist geöffnet. Sie zeigt ein Objektiv für hundertsechzehn Euro.
- Oh mein Gott.
Das ist günstig!
- Ja, geh am Wochenende arbeiten.
Wieso?
- Dann kannst du dir das selbst kaufen.
Ja, werde ich auch.

Heute wieder die Großzügigkeit mit Löffeln gefrühstückt, was? Deine Tochter wird 18 und ihr werden gammlige fünfzig Euro zur Verfügung gestellt. Ich glaube, ich bekomme einfach gar nichts, weil es auch einfach GAR NICHTS in dieser Preisklasse gibt, was ich brauchen könnte. Und wenn ich mir nichts wünsche, bekomme ich auch nichts. Warum auch? Werde ja nur 18. Ist ja nichts besonderes. Und dass ich an Weihnachten statt denn gedurften hundert Euro mir nur was für vierzig Euro gewünscht habe, DAS ist ja unwichtig. Sechzig Euro gespart! Hast ja ein richtiges Schnäppchen mit mir gemacht, was? 
Jeden verdammten Tag hasse ich dich mehr. Jeden verdammten Tag sagst du mir irgendwas, was ich tun soll, was ich besser machen kann, was mir droht, wenn ich es nicht tue. Du fragst mich alle zwei Tage was die Schule macht, sagst, dass ich ja weiß, was passiert, wenn mein Zeugnis diesmal nicht besser ist als das letzte Mal. Sagst mir dies, sagst mir das. Verlangst dies, verlangst das. Ständig deine ätzenden Andeutungen. Ich hasse es. Ich hasse dich. Jeden Tag ein bisschen mehr. Ich bin froh, wenn du weg bist, wenn ich nicht in deiner Nähe sein muss, wenn du mich einfach mal in Ruhe und mich mein Leben leben lässt. Aber das kannst du nicht. Wenn ich weg bin, rufst du an, schreibst SMS. Du nervst. Als hätte ich nicht genug in meinem Kopf, um das ich mich kümmern muss. Als wäre es nicht MEIN Abschluss. Als wäre es nicht MEIN Leben. Aber das verstehst du nicht. Du denkst, ich bin dein Hund, der alles macht, was du sagst. Aber langsam geht das nicht mehr. Und glaub mir: Ich hau ab, sobald ich kann. Ich halt das hier nicht mehr aus. Jeden verdammten Tag gehst du mir tierisch auf die Nerven mit irgendeinem Scheiß, der mich nicht interessiert. Und was ich mich frage: Warum soll ich arbeiten gehen, wenn ich mit meinen fünfzig Euro Taschengeld auskomme? Habe ich dich jemals um Geld gebeten? Nein. Also bitte. Halt doch einfach mal deine Fresse, es interessiert mich nicht, was du mir sagst. Ich bin alt genug, um zu wissen, was ich tue. Aber nein, du musst mir alles versauen. Alles vermiesen. Auch meinen Achtzehnten. Vielen Dank auch. Ich hab jetzt schon keine Lust mehr darauf. Zudem ich jetzt weiß, wie viel ich dir eigentlich wert bin, wenn du nichtmal an meinem achtzehnten etwas mehr für mich tun willst. Ich hasse dich. Ich hasse dich. Ich hasse dich. Ich will hier weg. So schnell wie möglich. Abhauen, verschwinden, weggehen. Mir alles egal. Nur wer von dir. Weit weg. Und dich am liebsten nie wieder sehen. 
Und das alles, obwohl ich eigentlich immer dachte, dass wir eine Familie sind. Aber das hier ist schon lange keine Familie mehr. Es ist eine Zweckgemeinschaft. Eine ätzende Zweckgemeinschaft. Zwei streiten sich, der dritte bekommt es ab, weil die anderen beiden zu unfähig sind, miteinander zu reden. Immer bin ich schuld, an allem. Schlechte Laune wird an mir ausgelassen, an wem auch sonst? Ich werde behandelt wie ein kleines Kind, muss um zehn zu Bett, meine Tür hat auf zu sein, ich habe mich zu melden, wenn ich auch nur fünf Minuten später komme. Das alles kotzt so an. Und da soll noch mal einer sagen, dass ich keinen Grund habe so zu denken, fühlen, reden. Da soll noch mal einer sagen, dass ich gar keinen Grund hatte, mich selbst zu verletzen. Wie soll ich diese Hölle aushalten? Ich wünschte, ich wäre nicht hier. Dann müsste ich mir das alles nicht antun.

Alles bewegt sich, doch die Welt bleibt stehen. Die Augen geöffnet und kann doch nichts sehen. Lachende Menschen, die leise weinen. Alle gemeinsam und doch alle allein. Heimweh. Ich hab Heimweh.
Niemand hat jemals gesagt, dass das Leben einfach ist. Aber auch niemand hat gesagt, dass es so schwer ist.  Ich kann das nicht alleine. Ich kann nicht in dieser Welt leben, wenn ich nicht einmal mit mir selbst klarkomme. Wie soll ich mit anderen Menschen umgehen können, wenn ich selbst mein Leben nicht auf die Reihe bekomme? Wenn ich nie an mein Ziel komme, sondern mich immer wieder von meinem Ziel entferne? 
Ich habe mich nicht verändert. Ich dachte, ich komme damit klar. Schaffe es. Aber ich kann es einfach nicht. Mein Körper ist widerlich. Egal, was ich mir einrede, egal, was andere sagen, meine Meinung ist unveränderlich. Sie wurde das vergangene Jahr lediglich überdeckt. Aber tief in mir drin hasse ich mich. Hasse ich meinen Körper. Hasse ich alles um mich herum. Das Leben ist wie eine Seifenblase inmitten eines Waldes. Eine falsche Bewegung und die Seifenblase geht zu Bruch. Und sie ist nicht mehr zu reparieren. Man muss von vorn anfangen, alles neu aufbauen, um dann am Ende wieder zu scheitern. Wir scheitern alle und werden auch immer scheitern. Menschen sind dumm und egoistisch, egal, was man sagt. Menschen sehen nicht die Wahrheit, sondern das, was sie sehen wollen. Nicht mehr und nicht weniger. Menschen sind leichtgläubig und naiv. Sie glauben, was ihnen erzählt wird. Sie denken nicht weiter darüber nach. Sie wollen nicht weiter darüber nachdenken, weil sie wissen, dass sie dann verletzt werden. Aber das ist das Leben. Verletzt werden. Man kann nicht ohne Verletzungen leben. Nicht ohne Narben. Nicht ohne Wunden. Nicht ohne Blut.
Ich will nur einmal an mein Ziel kommen. Ein einziges verdammtes Mal. Damit ich wenigstens mit mir selbst klarkomme. Aber der Weg wird nicht ohne Steine sein. Natürlich nicht. Dazu gibt es zu viele, die mich nicht verstehen. Oder die es nicht verstehen wollen. Die mir keinen Sieg, keinen Triumph gönnen. Nur einmal will ich mich nicht so fühlen wie momentan. Ein einziges Mal. Am besten für immer. Aber das ist zu viel verlangt. Ich will an mein Ziel. Ich will diesen Weg schaffen. Ohne Hilfe. Ganz alleine. Ich kann das. Ich weiß es. Ich darf nur nicht immer vorher aufgeben. Ich bin stark, ich kann das. Vielleicht auch anders, als man denkt. Vielleicht bin ich doch nicht anders als vor über einem Jahr. Vielleicht bin ich immernoch genauso. Nein, nicht vielleicht. Ich bin immernoch genau so. Nur erfahrener. Aber dennoch genau so. Nicht anders. Gebrochen, kaputt, verletzt, vernarbt. Das bin ich. Das ist die Realität. Und keiner sieht es, weil jeder zum Optimisten in seiner eigenen Welt geworden ist. Ich hasse dieses Leben. Ich hasse so vieles. Und liebe viel zu wenig. Aber Liebe ist stärker als Hass. Vielleicht ist es auch besser so.

Don't try to fix me, I'm not broken. 


Dienstag, 1. Januar 2013

Nächte werden einsam, wenn die wichtigste Person für einen nicht erreichbar ist.
Ich frage mich vieles. Den ganzen Tag über. Ist es richtig oder falsch? Was sollte ich fühlen? Warum fühle ich so? Wie soll das weitergehen? Und vor allem: Wie komm ich von diesem Weg runter, ohne irgendwen zu verletzen?
Bambis Beschreibung eines Igels inmitten von Luftballons beschreibt meine Situation wohl recht gut. Ich bin feinfühlig, schaffe es durch die Luftballons hindurchzukommen, ohne dass sie platzen. Die Frage ist nur, wie lange ich das kann. Und die Frage ist, ob ich aus diesem Luftballonmeer überhaupt raus möchte.
"Manchmal sind die Fragen kompliziert und die Antworten simpel."
Nur bin ich für "simpel" zu kompliziert. Somit werden mir die leichten Antworten niemals einfallen.
Wie gern wär ich jetzt bei dir. Mir dir reden. Dich zum lachen bringen. Dir beim lachen zusehen. Dich beobachten. Wie sehr wünsche ich mir das gerade. Aber darauf werde ich noch ein paar Wochen warten müssen. Und ich frage mich, was in diesen Wochen alles passieren wird. Die Zeit ist unberechenbar. Auch für mich. Egal wie sehr ich alles versuche zu planen, vorauszusehen, damit Situationen leichter zu verarbeiten sind. Aber ich bin keine Hellseherin. Ich weiß nicht, was die Zukunft bringt. Und genau das jagt mir furchtbare Angst ein. Ich hasse die Zukunft. Nur dich, dich liebe ich.