Montag, 3. Dezember 2012

Worte waren noch nie meine Sprache. Müsste ich über mich reden, über meine Gedanken und Gefühle, so wäre ich aufgeschmissen. Die Worte wären unsortiert, kaum zu verstehen und ich müsste alles wiederholen, was das Ganze noch schwieriger macht. Meine Stimme wäre brüchig, unkoordiniert und irgendwie nicht wie normal. Zudem ich nichteinmal weiß, ob meine Stimme das vermitteln würde, was sie vermitteln soll.
Beim Schreiben ist es anders. Die Worte sind ausgewählt und gehören zumeist an den Platz, an dem sie nun einmal sind. Sie haben alle eine Bedeutung, keines steht dort, weil es sich verlaufen hat. Jedes Wort kann für sich sprechen, aber zusammen bilden sie eine Einheit. Der Hintergrund ist nicht immer klar, aber das ist der Sinn. Worte sollen nicht einfach nur etwas wiedergeben. Worte sollen auffordern zu denken. Selbständig ihren Sinn zu erfassen und diesen anzuwenden, das wollen Worte. Nicht einfach nur dastehen und bedeutungslos sein. Und jedes Wort hat verschiedene Bedeutungen. Mehrere für ein Wort gibt es auch. Es ist reine Definitionssache und eigentlich auch individuell. Es gibt kein richtig oder falsch. Es gibt nur die Wahrheit. Und die sollte immer aufgeschrieben werden, denn sonst verliert man sie manches Mal im Meer der Lügen. Worte können erschrecken und erfreuen zugleich und das nur, weil sie vor einem stehen. Es gibt nichts, was mächtiger ist, als die Schrift, denn sie zeichnet einen Menschen aus. Sie zeigt sein wahres Ich.
Dennoch ist es schwer, das Wirrwarr im Kopf zu Worten zusammenzufassen. Aus Zahlen lassen sich keine Buchstaben machen und andersherum. Aber man sollte nichts unversucht lassen, sich auszudrücken. Und egal, wie feige es einem erscheint, dass man lieber schreibt als redet: Die Sprache vergeht, sie verschwindet und ist nie mehr wiederzufinden oder einzufangen. Die Schrift ist für immer. Sie bleibt in Erinnerung, hinterlässt ein Bild und ist immer wieder abrufbar. Das macht sie so einzigartig. Und das gibt ihr die Wichtigkeit, die sie verdient. 

I can breathe.
"I have loved you for a thousand years - I love you for a thousand more."

Irgendwie bewundernswert. Zumindest, wenn man es mehrdeutig sieht.

Sonntag, 2. Dezember 2012

Es scheint, als lebte ich momentan in der Vergangenheit. Meine Gedanken sind genau dieselbigen. Und immer wieder erinner ich mich an das, was mal war. Alles Dinge, die mich prägten, die das aus mir machten, was ich bin. Dennoch ist es irgendwie erschlagend. Ich denke wieder mehr über alles nach, beobachte Menschen und versuche ihre Gestik und Mimik zu deuten. 
Wenn man an wem vorbeigeht, so wird einem kurz ins Gesicht geschaut, dann von oben nach unten und wieder von unten nach oben beäugt und wieder schweift dann der Blick in die Augen. Danach folgt das Fazit. Mag ich die Person? Mag ich sie nicht? Ist sie eingebildet? Wie alt ist sie? Einem gehen um die hundert Fragen durch den Kopf, ohne dass man es merkt und ohne, dass man eine richtige Antwort drauf findet. Wobei man sie eh nie brauchen wird, da es unwahrscheinlich wird, sich wieder zu begegnen.
Dennoch merke ich, wie manipulierbar manche Menschen sind. Es gibt ein paar Dinge, die mehr Aufmerksamkeit erregen als andere. Hohe Schuhe sind ein Paar davon. Man wirkt größer, älter, mächtiger, selbstbewusster. Der Körper ist gerader, der Gang rhythmisch. Der Kopf erhoben und der Blick starr nach vorn gerichtet, immer hin zum Ziel. Das erregt Aufmerksamkeit, weil es ein Ausdruck von Stärke ist, ohne dass es uns eigentlich bewusst ist. 
Es ist gruselig, wie man heutzutage beobachtet und beäugt wird. Alle urteilen und eigentlich weiß keiner, wie richtig - oder eher - wie falsch er damit liegt. Es zählt nur noch das Äußere, auf innere Werte wird geschissen. Sehen wir gut aus, so können wir uns alles erlauben. Uns benehmen wie Schlampen und Arschlöcher, wie die hinterlistigsten Menschen der Welt, ohne dass man auch so behandelt wird. Entspricht man nicht dem heutigen Ideal, so wird über einen hergezogen. Egal, ob der andere das Gleiche getan hat oder nicht. Menschen, die nicht in ein gewisses Ideal eingeordnet werden können, sind schon von anfang an die Opfer, Loser und Verlierer. Egal, was sie weiterhin tun. Egal, wie sie sich benehmen. Dabei sind genau die diejenigen, die die Welt mit richtigen Augen sehen, die wissen, wie man die goldene Regel anzuwenden hat.
Die anderen, tollen, schönen, coolen spielen sich Freundschaften nur vor und hinterm Rücken wird über einen abgezogen. Beste Freunde nach außen werden nach innen zu Feinden. Sie belügen sich selbst, die anderen und die, die ihnen was wert sind. Lügen werden zur Wahrheit und keiner merkt es. Oberflächlichkeit regiert die Welt und keiner kann sie aufhalten, denn die Realisten werden weder wahrgenommen noch ernstgenommen. Willkommen im 21. Jahrhundert.